Japan Zentrum
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Überlegungen zur Rolle der Philologie in der Japanologie

02.02.2012

Vortrag von Dr. phil. Steffen Döll

Die Wahrnehmung der Rolle der Philologie in den heutigen Geistes- und Kulturwissenschaften karikiert Edward Said mit den Worten: "Philology is just about the least with-it, least sexy, and most unmodern of any of the branches of learning associated with humanism, and it is the least likely to turn up in discussions about humanism’s relevance to life at the beginning of the twenty-first century."

Die vermeintliche Antiquiertheit und Bedeutungslosigkeit der philologischen Methode, die das obige Statement zu konstatieren scheint, ist Produkt spezifischer wissenschaftsgeschichtlicher Entwicklungen. Es ist insbesondere die Assoziation der Philologie mit europäisch-altsprachlicher Gelehrsamkeit und theologischer Exegese, die sie als Hindernis im Lauf des wissenschaftlichen Fortschritts hat suspekt werden lassen. Später dann stehen die unter dem Titel der Philologie firmierenden Bemühungen um die Rückgewinnung einer Ursprache und anderer anthropologischer Konstanten in krassem Gegensatz zu den Anliegen jüngerer Methoden wie etwa Strukturalismus und Konstruktivismus. Zusammengenommen zeigt sich die Philologie entweder als Chiffre essentialistischer und eurozentristischer Mythologisierungen oder aber droht sich als bloße Fremdsprachenkenntnis und Protomethode in der Beliebigkeit aufzulösen.

Tatsächlich ist das Verhältnis zwischen Philologie und anderen geisteswissenschaftlichen Methoden bereits seit langen Jahren Gegenstand der Diskussion. Nietzsche beispielsweise bezeichnete sich einerseits selbst mit großer Konsequenz als Philologe; andererseits identifizierte er den "Untergang" als vordringliche Aufgabe der Philologie. Neuere philologische Ansätze behaupten mit Schlagwörtern wie „close reading“ (Paul de Man), „commitment to reading for meaning“ (E. Said) oder „critical self-reflection of language“ (Sheldon Pollock) einen breiteren Geltungsbereich, suchen den Anschluss an spezifisch literaturwissenschaftliche und –kritische Diskurse und/oder beanspruchen Allgemeingültigkeit als „a permanent and characteristic feature of humanistic scholarship“ (Geoffrey Galt Harpham).

Der vorliegende Versuch unternimmt einen groben geschichtlichen Abriss der philologischen Disziplin respektive darauf bezugnehmender Positionen, um anschließend anhand konkreter Textbeispiele nach methodologischer Relevanz und Anwendbarkeit in den Asienwissenschaften bzw. der Japanologie zu fragen.