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Terayama Shūjis Film "Den’en ni shi su" (Sterben auf dem Land). Ein Selbstbildnis aus dem Jahr 1974

Vortrag von Prof. Itō Tōru (Kyoto Institute of Technology)

08.10.2013 – 18.10.2013

Dichter, Hörspiel- und Schauspiel-Dramatiker, Filmregisseur ... Terayama Shūji ist beispielhaft für die heterogene, vielseitige Genese eines Selbstverständnisses als Künstler in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt des Vortrags steht Terayamas autobiographischer Film Den'en ni shi su, wobei zunächst die Schwierigkeit der Bestimmung von Terayamas Persönlichkeit und dessen Lebenslauf behandelt werden soll. Diese Schwierigkeit ist nicht auf einen Mangel an Informationen oder auf "falsche Aussagen" von Terayama zurückzuführen, sondern steht im Zusammenhang mit der Struktur seines eigenen Selbstverständnisses. Eine wichtige Rolle hierfür spielt beispielsweise sein schwieriges Verhältnis zu seiner Mutter Hatsu, das auch in Den’en ni shi su thematisiert wird. Der Film ist in zwei Teile gegliedert: Der erste Teil ist die Geschichte eines Jungen, der seine Heimat und Mutter verläßt, um mit der schönen Frau des Nachbarn in die Stadt zu entfliehen. Der zweite Teil entlarvt den ersten als erdichtet, und zwar als Teil eines noch nicht vollendeten Films. Dessen Regisseur, der der Junge selbst 20 Jahre später ist, tritt in seine eigene Vergangenheit vor 20 Jahren ein, um diese umzugestalten und seine eigene Mutter zu ermorden....

"Es gibt keine Vergangenheit, deren Umgestaltung unmöglich ist". Jede Vergangenheit als die Basis des Selbstverständnisses ist nichts anderes als Fiktion――In diesem Thema des Films drückt sich der Verlust der Identität des Selbst aus. Der Vortrag erklärt dessen Bedeutung in der japanischen Nachkriegszeit aus einer geistesgeschichtlichen Perspektive und stellt zum Schluss anhand des Bildes einer "Uhr" im Film und eines Tanka Überlegungen zu Terayamas Ausgangspunkt für dessen Nachdenken über den Ursprung der Erdichtung im Hinblick auf die Selbstbestimmung an.