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Ritual und Rhetorik

Strategien buddhistischer Zeremoniale (kôshiki) im Zen


Vortrag von Michaela Mross, M.A. (München/Tokyo)

In Studien zur Rhetorik wird oft von der Abwesenheit einer rhetorischen Tradition in Japan gesprochen und in diesem Zusammenhang auf den Zen-Buddhismus und die sogenannte „Kultur der Stille“ verwiesen. Dennoch finden wir in der Literatur und der Liturgie der Zen-Schulen verschiedene rhetorische Strategien. Ein Beispiel hierfür ist das liturgische Genre der kôshiki (buddhistische Zeremoniale). Dieses Genre entstand im späten 10. Jahrhundert im Kontext des Reinen-Land-Glaubens innerhalb der Tendai-Tradition und verbreitete sich in den nachfolgenden Jahrhunderten in allen buddhistischen Traditionslinien Japans, u.a. auch in den Zen-Schulen. Einige der kôshiki, die in der Kamakura-Zeit von Zen-Mönchen verfasst wurden, werden auch heute noch in Sôtô- und Rinzai-Tempeln vollzogen. Dieser Vortrag soll das Verhältnis von Ritual und Rhetorik in den kôshiki der Zen-Schulen untersuchen. Es soll gefragt werden, welche Strategien in den liturgischen Texten von kôshiki angewendet werden, wie diese Strategien im Vollzug des Rituals durch performative Mittel verstärkt werden, welche Rolle der Rezitator bzw. die Rezitatoren spielen, und wie die Stimmung der Hörer durch Gesänge und performative Elemente beeinflusst wird. Auf diese Weise möchte ich zeigen, dass Rhetorik ein essentieller Bestandteil in kôshiki und somit auch in der religiösen Kultur des Zen-Buddhismus ist.