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Zines und alternative Medienproduktion in Japan: Ein Überblick

Dr. des. Julia Obinger (Universität Zürich)

06.07.2013

In der japanischen Medienlandschaft besteht eine deutliche Dominanz einiger weniger überregionaler Zeitungshäuser und Fernsehstationen, die teilweise miteinander als Firmenkonglomerate verwoben sind. Weiterhin besteht oftmals eine deutliche Verzahnung zwischen werbetreibenden Unternehmen und Medienkonzernen, was sich auch auf die publizierten Inhalte auswirkt. Für Journalisten wiederum ist der Zugang zu relevanten Informationen aus der politischen Sphäre an eine Mitgliedschaft in den Presseclubs (kisha kurabu) geknüpft, mit deren Hilfe Bürokratie, Wirtschaftsverbände und Politiker gezielt und exklusiv Informationen verbreiten. Freeman (2003) bezeichnet diese Verknüpfung auch als "Informationskartelle": es besteht hier ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis, das eine gezielte Steuerung der publizierten – und vor allem der nicht publizierten – Informationen ermöglicht. Den Medienunternehmen und den mit ihnen affiliierten Sponsoren und Informationsquellen kommt daher durchaus eine wichtige, wenngleich kaum messbare, gesellschaftliche und politische Rolle zu. Es existieren jedoch auch in Japan viele kleinere Organisationen sowie lokale und überregionale Projekte, die alternative Medien produzieren. Sie nutzen dabei verschiedene Kanäle und agieren weitestgehend unabhängig von den oben beschriebenen „Informationskartellen“. Beispiele alternativer Medien sind unter anderem die so genannten minikomi, kostenlose Zeitungen und Mitteilungsblätter (furī pēpa), sowie unabhängige lokale Radiosender (komyuniti FM), die mit verschiedenen Bürgerbewegungen und Aktivistengruppen in Verbindung stehen. Mit der Verbreitung neuer Kommunikationstechnologien entstand darüber hinaus eine große Zahl an unabhängigen, internetbasierten Video- und Fernsehplattformen, sowie Blogs und Webseiten. In diesem Kontext beleuchtet dieser Vortrag zunächst die historische Entwicklung einiger alternativen Medienformen und zeigt deren gegenwärtige soziale und politische Relevanz auf.

Der Fokus des Vortrags liegt auf einer im japanischen Kontext bisher weitgehend unbekannten Mediengattung, den so genannten Zines. Bei diesen Zines (von engl. Magazine oder Fanzine) handelt es sich um in Kleinstauflagen zumeist vollständig eigenständig und ohne technische Hilfsmittel produzierte, mehrseitige Broschüren mit unterschiedlicher thematischer Ausrichtung, die zumeist mit der Punk-Szene in Verbindung stehen. Prägnanter beschreibt Duncombe (2008: 6) Zines als "(...)scruffy, homemade little pamphlets. Little publications filled with rantings of high weirdness and exploding with chaotic design". Anhand von einigen Fallbeispielen wird in diesem Vortrag unter anderem auf die besondere Ästhetik dieser alternativen Medien eingegangen, und insbesondere deren Funktionen und Bedeutungsdimensionen als alternative Medienpraxis in Japan erläutert.