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Weise Monarchen und Könige der zehn guten Taten

Einige Überlegungen zu den politisch-religiösen Herrschervorstellungen des 13. Jahrhunderts

10.11.2011

Projektvorstellung von Daniel Schley, M.A.

Die Sakralität von Herrschaft ist ein weltweites Phänomen, das in vielfacher Gestalt und in vielen Epochen auftrat. Am meisten Beachtung fand bislang der Aspekt religiöser Legitimierung eines weltlichen Amtes, wie er etwa im Gedanken des Gottesgnadentums von europäischen Monarchien bis in das 20. Jahrhundert vertreten worden war. Doch erschöpft Legitimation allein keinesfalls das Phänomen. Stattdessen ist die Sakralität von Herrschaft umfassender anzugehen und als Teil historischer Mentalitäten und Vorstellungen zu begreifen.

Auch die japanischen Monarchen vereinten in sich religiöse und politische Aufgaben. Ein sakerdotaler Charakter des Tennō hat sich, entgegen der verfassungsmäßig vorgeschriebenen Trennung von Politik und Religion, noch bis in die Gegenwart erhalten. In der Zeit bis 1945 traten die sakralen Aspekte des Königsamtes noch deutlicher zum Vorschein. Die Art und Weise unterschied sich dabei jedoch mit der Zeit. Exemplarisch dürfte dafür die Tenmu-Dynastie sein, die fraglos zu einem Höhepunkt königlicher Sakralisierung führte.

Nicht so eindeutig ist dagegen die Sakralität der mittelalterlichen Monarchen zu fassen. Die Diskussion schwankt dabei zwischen zwei Extremen. Auf der einen Seite ist für eine Steigerung der Herrschersakralität argumentiert worden, welche die zunehmende Machtlosigkeit der Tennō ausgeglichen haben soll und eventuell sogar auf lange Sicht für den Bestand der Dynastie in wechselvollen Zeiten sorgte. Buddhistische Vorstellungen spielten dabei erwartungsgemäß eine wichtige Rolle und ließen den Monarchen unter anderem auch als buddhistischen Weltherrscher (Cakravartin) erscheinen. Andererseits vermitteln viele Quellen ein sehr menschliches Bild der Herrscher. Höllenstrafen im Jenseits und Verbannungsurteile im Diesseits waren für jene Monarchen vorgesehen, die in den Augen der Zeitgenossen ihre Unfähigkeit bewiesen hatten. Wie viel Sakralität konnte dabei noch übrig bleiben?

In meiner Dissertation untersuche ich zu diesem Problemkreis verschiedene Quellen des Frühmittelalters (12.-14. Jh.) und versuche, die darin artikulierten Vorstellungen zur Sakralität des Herrschers aus ihrem Gesamtkontext heraus zu begreifen. Die interessantere Frage ist dabei weniger, ob das Herrscheramt in Japan sakrale Elemente besaß, was grundsätzlich zu bejahen ist, sondern wie die mittelalterlichen Autoren damit umgingen, welche Aspekte sie hervorhoben und welchen Stellenwert sie diesen Elementen in ihren religiös-politischen Vorstellungen zuordneten.

In meinem Vortrag möchte ich zunächst eine knappe Grundlegung der Methode wie des ausgewählten Zeitrahmens geben, um dann an einigen Quellenbeispielen verschiedene Motive der Herrschersakralität des 13. Jahrhunderts vorzustellen.