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Die Auswirkungen politischer Schocks auf Sino-Japanische Wirtschaftsbeziehungen am Beispiel des Senkaku-Disputs 2010 und 2012

10.07.2014

Franziska Schultz, M.A., cand. phil, (Japanologie, Universität Tübingen)


Trotz der intensiven wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Japan und der Volksrepublik China, von denen beide Länder profitieren, ist das bilaterale Verhältnis von diplomatischen Problemen überschattet. Die wichtigsten diplomatischen Konfliktfelder sind die folgenden drei: 1) Die Debatten über japanische Schulbücher, 2) die Besuche des Yasukuni-Schreins durch japanische Premierminister und 3) der Territorialkonflikt um die Senkaku/Diaoyu-Inselgruppe. Diese drei Konfliktfelder manifestieren sich immer wieder in Gestalt sogenannter „politischer Schocks“, d.h. innenpolitischer Ereignisse, die mit einer der drei Streitfragen in Verbindung stehen. Deshalb werden die bilateralen Beziehungen häufig als „politically cold, economically hot“ (seirei keinetsu) beschrieben. Diese Betrachtungsweise geht davon aus, dass die wiederholt auftretenden politischen Schocks keine Auswirkungen auf die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen haben. Allerdings gab es in den Jahren 2010 und 2012 Beispiele politischer Schocks, bei denen es zu einem sogenannten „spillover“ auf verschiedene Bereiche des wirtschaftlichen Austauschs kam.

Aufgrund Chinas rapiden Wirtschaftswachstums und seines Aufstiegs zur Weltmacht haben sich die politischen Machtverhältnisse in den bilateralen Beziehungen zugunsten der Volksrepublik verschoben. Obwohl die intensiven Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern zu einer gegenseitigen ökonomischen Abhängigkeit geführt haben, erfolgte von den 1980er Jahren bis heute eine allmähliche Verschiebung der wirtschaftlichen Dependenz zum Vorteil Chinas und zu Ungunsten Japans. Es gibt dafür im wesentlichen zwei Gründe: Veränderungen der bilateralen Handelsstruktur und die abnehmende Bedeutung Japans als Handelspartner der Volksrepublik. Diese Entwicklungen, die dazu geführt haben, dass sich Chinas wirtschaftliche Abhängigkeit von Japan immer stärker verringert hat, ermöglichen der Volksrepublik im Falle politischer Spannungen den Einsatz wirtschaftlicher Druckmittel.

Welche Rolle spielen diese Veränderungen für politische Schocks und deren mögliche Auswirkungen für die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen? Auf der Grundlage von Berichten der Nikkei Shinbun, Asahi Shinbun und Dokumenten der JETRO und des Daiwa Institute of Research (DIR) geht dieser Vortrag der Frage nach, ob sich politische Schocks durch diese Veränderungen stärker oder weniger stark auf die wirtschaftlichen Beziehungen auswirken. Dazu sollen in diesem Vortrag anhand der Beispiele der politischen Schocks 2010 und 2012 die Möglichkeiten wirtschaftlicher Auswirkungen politischer Schocks sowie deren begrenzende Mechanismen aus der Perspektive verschiedener Theorien der Internationalen Beziehungen von Steve Chan (2009), Raymond Fisman (2012), Christina Davis and Sophie Meunier (2007) und Scott L. Kastner (2007) beleuchtet werden.

Zur Person

Franziska Schultz studierte von 2004 bis 2011 Japanologie, Neuere Englische Literatur und Sinologie (Modernes China) an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Sie ist seit Anfang 2012 Doktorandin an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Nach einem einjährigen Promotionsstipendium des Deutschen Instituts für Japanstudien (DIJ) in Tokyo und einem anschließenden JASSO-Stipendium ist sie seit dem 1.5.2014 wissenschaftliche Hilfskraft in der Japanologie Tübingen. Ihre Dissertation mit dem Arbeitstitel „Political Shocks and their Effects for Sino-Japanese Economic Exchange“ beschäftigt sich mit den Auswirkungen politischer Schocks zwischen Japan und der Volksrepublik China auf verschiedene wirtschaftliche Bereiche der bilateralen Beziehungen, insbesondere auf den bilateralen Handel, japanische FDI in China und den chinesischen Tourismus in Japan.