Japan Zentrum
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Dissertationsprojekt Stärz (Exposee)

Die Rekonstruktion Dejimas – Perspektiven für die Stadt Nagasaki

Betreuung: Prof. Dr. Klaus Vollmer

Gegenwärtig wird in der Stadt Nagasaki die 1922 zur historischen Stätte designierte ehemalige niederländische Faktorei Dejima rekonstruiert (http://nagasakidejima.jp/). Dejima, eine 1636 fertiggestellte künstliche Insel, erfüllte während des Bestehens der Faktorei (1641 – 1859) als einziges Fenster Japans zur westlichen Welt, über welches neben Handel auch kultureller und wissenschaftlicher Austausch erfolgte, eine wichtige Funktion für Nagasaki und Japan. Damit spielte Dejima eine bedeutende Rolle in der reichen Geschichte Nagasakis, neben der die Stadt prägenden Geschichte der portugiesischen Händler und der christlichen Missionare, der chinesischen Händler, der Zeit der internationalen Niederlassung, des Christentums und der Atombombe.

Gegenstand des Dissertationsprojektes ist die bisher von wissenschaftlicher Seite kaum erfolgte Betrachtung der seit 1951 andauernden und seit 1996 intensivierten Rekonstruktionsbemühungen rund um die ehemalige niederländische Faktorei Dejima in Nagasaki, sowie der damit verbundenen Auswirkungen auf Gesellschaft, Politik und Wirtschaft der Stadt Nagasaki. Ausgangsthese ist, dass diese in Anbetracht u.a. der historischen Bedeutung und identitätsprägenden Potentials dieses Erinnerungsortes für Nagasaki und Japan, sowie des erheblichen räumlichen und zeitlichen Umfangs der Arbeiten, erheblich sind.

Für das Unterfangen wird ein sozialwissenschaftlicher Ansatz gewählt, der seine Methoden und Theorien vor allem aus dem Bereich der Stadtforschung bezieht. Dazu sollen zum einen öffentlich zugängliche und interne Dokumente beteiligter Organisationen, sowie die mediale Berichterstattung und thematisch relevante Studien ausgewertet werden. Zum anderen wird bei der Umsetzung ethnografische Feldforschung im Sinne der qualitativen Sozialforschung eine essentielle Rolle spielen. Dazu sollen sowohl laufend Beobachtungen als auch qualitative Interviews mit Beteiligten, Betroffenen, Besuchern Dejimas usw. durchgeführt werden.
Dabei wird nicht nur Fragen der Rekonstruktion, der Beziehung zu anderen historischen Orten der Stadt und u.a. der touristischen Verwertung Dejimas nachgegangen, sondern auch der Stadtentwicklung und der Einbindung der Zivilgesellschaft, Stichwort machizukuri, nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft und des Strukturwandels, wie er auch andernorts zu finden ist. Die Ergebnisse der Fallstudie dürften damit nicht zuletzt auch einen Beitrag für die vergleichende Stadtforschung leisten.