Japan Zentrum
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Dissertationsprojekt Drewing (Exposee)

Resonanz im urbanen Japan: Neubewertung des Lebens-Raumes Tōkyō

(Betreuung: Prof. Dr. Evelyn Schulz)

Der zunehmende Grad der Urbanisierung im 21. Jahrhundert wirft Fragen und Probleme auf, deren Beantwortung immer dringender und gleichzeitig komplexer wird. Dem globalen Trend der Verstädterung entgegengesetzt befindet sich Tōkyō jedoch am Ende des Prozesses urbanen Wachstums und wird in absehbarer mit Stagnations- oder Schrumpfungsprozessen konfrontiert werden.

Theorie: Resonanz und das menschliche Maß

Was macht eine „gute Stadt“ in einem solchen Umfeld aus, und welche Ansätze und Möglichkeiten bieten sich hier? Diesen vielschichtigen Fragen nähere ich mich über das Konzept der „urbanen Resonanz“ an. Hierbei verbinde ich den Resonanzbegriff des Soziologen Hartmut Rosa mit dem Raumbegriff der Stadtsoziologie. Über die Etablierung des urbanen „Lebens-Raumes“ als „Resonanzachse“ – einem Lebensausschnitt, der essentielle Werte berührt und dafür sorgt, dass sich Individuen nicht von ihrem Weltausschnitt entfremden – möchte ich zeigen, dass der urbane Raum für viele Menschen ein elementarer Bestandteil ihrer Lebensumgebung ist. Die Qualität dieses Raumes ist maßgeblich beteiligt an der positiven oder negativen Welterfahrung des Individuums in der Moderne.

Um das Konzept für die Feldforschung zu konkretisieren, mache ich es über die Schnittstelle des „menschlichen Maßes“ anschlussfähig an Diskurse der Architektur. Die erste Arbeitshypothese lautet dabei, dass das „menschliche Maß“ ein wesentlicher Bestandteil von Stadtplanung sein muss, um Resonanzachsen zu etablieren und zu erhalten. Resonanz im urbanen Raum entwickelt sich dort, wo das menschliche Maß in der Stadtplanung berücksichtigt wird.

Praxis: Shimokitazawa

Die erste Fallstudie die unter diesen Gesichtspunkten untersucht wird, ist Shimokitazawa im Südwesten Tōkyōs. Bekannt für kleinteilige Straßen und Architektur, als „Stadt der jungen Leute“ mit Theater und Musik in den Medien gefeiert, steht Shimokitazawa auch für großflächige Transformationsprozesse und den Widerstand der lokalen Bevölkerung gegen diese. Wo das menschliche Maß missachtet und Resonanzachsen gefährdet sind, so die zweite Arbeitshypothese, regt sich Widerstand, weil elementare Werte berührt werden.

Zielsetzung:

Ziel der Arbeit soll es sein, über die Resonanztheorie Rosas einen Zugang zu einem vielschichtigen Tōkyō zu finden, das sich dem Narrativ der wuchernden und anonymen Megalopolis entzieht und Facetten einer Stadtgestaltung zeigt, die dem menschlichen Maß entsprechen und die es den Anwohnern und Besuchern ermöglichen, in Form einer Resonanzachse eine Beziehung zu ihrem Lebensumfeld aufzubauen.