Japan Zentrum
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Sektion Vormoderne Literatur

Sektionsleitung: Judit Árokay (Heidelberg), Simone Müller (Zürich)

Gesellschaftskritik in der japanischen Literatur der Vormoderne und der frühen Moderne. Theoretische Zugänge zur Dekodierung von literarischen Gegendiskursen

Wie sich die alte, bereits von Horaz gestellte Frage, ob Literatur erfreuen oder belehren solle, durch die europäische Literaturgeschichte zieht, beschäftigt es auch die japanischen Dichter seit Jahrhunderten, ob Literatur nur zu Unterhaltung da sei oder ob sie in einem moralischen und politischen Sinne gesellschaftliche Relevanz haben und Wirkung erzielen soll. Gibt es aber eine rein unterhaltende Literatur, oder ist Literatur nicht ihrem Wesen nach immer auch politisch? Und übt nicht auch ein rein ästhetisch konzipierter Text gerade durch seine soziale Abkoppelung Systemkritik?
In Bezug auf die japanische Literatur ist diese Frage besonders brisant, denn diese gilt herkömmlich als tendenziell ästhetizistisch, unkritisch und sozial desinteressiert. Geht man aber mit Frederic Jameson von der Prämisse aus, dass jeder Text Ausdruck des "politischen Unbewussten" ist, dann haben auch auf den ersten Blick rein ästhetische Texte politische Implikationen. Dies eröffnet Fragen nach der in der japanischen Literatur inhärenten Gesellschaftskritik. Bei genauerem Hinsehen erweisen sich nämlich zahlreiche Texte, die auf den ersten Blick rein ästhetizistisch oder unterhaltend daherkommen, als sozialkritisch oder gar subversiv und haben politische oder ideologische Implikationen.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, welche sprachlichen und erzählerischen Mittel die japanische Literatur bereitstellt, um Gesellschaftskritik — beispielsweise am Herrschaftssystem oder an Geschlechterrollen — zu üben. Welche rhetorischen und gattungsspezifischen Techniken machen einen Text entweder zu einem scheinbar rein ästhetischen oder einem sozialkritischen? Wie verhalten sich Texte zur außersprachlichen Realität? Wie wird Sozialkritik verschlüsselt, um der Zensur zu entgehen? Und welche Methoden bieten sich dem Literaturwissenschaftler und Philologen, diese Hinweise zu dekodieren?

Session 1

  • Ruben Kuklinski: Die "Geschichte" ist die Botschaft. Möglichkeiten der Sinnvermittlung und Sinnermittlung im Heike monogatari
  • Daniel Poch: Tugend und tierische Sexualität. Verhandlungen gesellschaftsgefährdender Begierden und Gefühle in Bakins Nansō Satomi hakkenden
  • Sumiko Nakamura: Das Nise Murasaki inaka Genji als gesellschaftskritische Literatur und die Bildbearbeitungen von Utagawa Kunisada

Session 2

  • Petra Palmeshofer: Die Fabeln Aesops im Wandel der Meiji-Zeit. Wolf und Schaf bei Kawanabe Kyōsai (1873)
  • Matthew Königsberg: Kann ein Stil "politisch’"sein? Der gazoku setchū tai-Stil ("Verbindung aus Elegantem und Sprechsprachlichen") und Ozaki Kōyōs Oni Momotarō ("Der Pfirsichjunge als Teufel")
  • Martha-Christine Menzel: Zwischen Authentizitätsanspruch und Verschleierung. Tayama Katais Erzählung Tokoyo goyomi und die Hochverratsaffäre

Session 3

  • Andreas Regelsberger: Diskussion zum Thema "Imaginierte Räume in der vormodernen Literatur Japans"