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Bilder von Südostasien

Kontinuitäten und Brüche im politischen Denken hinter der japanischen Regionalpolitik, 1930-1960

24.04.2014

Heiko Lang, M.A. (Universität Tokyo/LMU)

 

Die geostrategische und wirtschaftliche Bedeutung der Region Südostasien für Japan, zumeist begründet mit ihrem Reichtum an natürlichen Ressourcen und ihrem Potential als Absatzmarkt für japanische Produkte, führte seit den 1930er Jahren zur Konzeption von offiziellen Plänen zu wirtschaftlichen Expansion. Während des Asiatisch-Pazifischen Krieges diente die Region als Rohstofflieferant für die Kriegsführung; nach 1952 stand Südostasien erneut im Fokus von Plänen zur wirtschaftlichen Ausdehnung Japans.

Sowohl die Bezeichnung, die geographischen Grenzen, als auch die ideologische Verortung der Region variierte: So war das vorherrschende politische Paradigma, in dem die Beziehung Japans zu Region in den frühen 1940er Jahren diskutiert wurde, das ideologische Konstrukt einer "Gemeinsamen Wohlstandssphäre"; aber die konkrete Form der Inkorporation der Region in diesen Rahmen war stets umstritten. Nach 1952 traten andere, teils konkurrierende Deutungsmuster in den Vordergrund: Südostasien konnte konzeptuell eingeordnet werden in den Rahmen der US-Strategie des Anti-Kommunismus; in den Rahmen von nationalistischen, anti-imperialistischen Befreiungsbewegungen; oder auch in den Rahmen von friedlicher, neutraler (unpolitischer) Entwicklung.

Nicht nur die Paradigmen, in die das Verhältnis "Japan-Südostasien" eingeordnet werden konnte, sondern auch die Japan innerhalb dieser Beziehung zugeschriebenen regionalpolitischen Rollen; das Vokabular, das zu ihrer Begründung verwendet wurde; und die Funktionen, die Südostasien für Japan zugeschrieben wurden, waren stets kontingent und abhängig von den politischen und wirtschaftlichen Interessen der an der Konzeption der japanischen Regionalpolitik beteiligten Akteure.

Im Rahmen meines Dissertationsprojekts möchte diesen vielfältigen Versuchen, die Beziehung "Japan-Südostasien" zu konzipieren, nachgehen. Es ist diskursanalytisch angelegt: im Zentrum der Untersuchung steht das politische Denken verschiedener Gruppen (der Zaikai, der Marine, des Außenministeriums, der Regierung und der Linken), die im Zeitraum von 1940 bis 1960 an der Diskussion um die japanische Südostasien-Politik beteiligt waren.

In meinem Vortrag im Doktorandenkolloquium möchte ich im ersten Teil auf methodische und konzeptuelle Fragen eingehen und eine Übersicht über die verschiedenen Versuche der Konstruktion der Beziehung Japans zu Südostasien geben. Im zweiten Teil möchte ich dann anhand des Diskurses der Zaikai (der japanischen Wirtschaftselite) auf ein konkretes Beispiel einer solchen Konstruktion eingehen.