Japan Zentrum
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Sektion Medien- und Populärkultur

Sektionsleitung: Stephan Köhn (Köln)
Kontakt: stephan.koehn@uni-koeln.de

Raum: AU 113
Zeit: Timeslot 4-6 (Donnerstag 11:00-12:30, 14:00-15:30 und 16:00-17:30)

Mediatisierte Welten, alternative Denkräume. Eine kritische Bestandsaufnahme der gegenwärtigen japanischen Medien- und Populärkultur

Die bisherige Sektion "Medien" wird — zumindest für den Japanologentag 2015 — erweitert zur Sektion "Medien- und Populärkultur". Damit soll dem erfreulicherweise seit Jahren anhaltenden Trend an Abschlussarbeiten im Bereich Populär- und Medienkultur auf allen Stufen der akademischen Ausbildung erstmals Rechnung getragen und Raum für Ansätze und Methoden, die sich den "klassischen" Disziplinen der Japanologie entziehen, geboten werden.
Das Sektionsthema hat implizit Fukushima als Zäsur der Gegenwart im Sinn, um der Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen von Medien- und Populärkultur made in Japan nachzugehen. Tatsächlich zeigt sich hier ein Grunddilemma der gegenwärtigen Japanforschung: Einerseits der mögliche Vorwurf der Instrumentalisierung einer Katastrophe ungeahnten Ausmaßes für die Wissenschaft durch deren obligatorische Nennung, andererseits die ebenfalls berechtigte Kritik der Realitätsfremdheit der modernen Japanforschung bei bewusster Ausblendung. Fukushima hat, wie auch die Flut an Publikationen in Japan inzwischen zeigt, eine Neuperspektivierung bzw. Neubewertung der Möglichkeiten und Grenzen japanischer Medien- und Populärkultur in Gang gesetzt, denen sich auf die verschiedenste Art und Weise diskursiv genähert werden kann. Dem Titel "Mediatisierte Welten, alternative Denkräume" gemäß sollen hier gezielt keine Leitfragen formuliert werden, sondern im wahrsten Sinne des Wortes "Denkräume" für eine kritische Bestandsaufnahme der crossmedialen Vernetzung von Inhalten, Formaten, Akteuren und Diskursen eröffnet werden. Da auch in einigen anderen Sektionen (vgl. Moderne Literatur, Gesellschaft oder Politik) Fukushima als Zäsur der Gegenwart in den Fokus genommen wird, sind Synergieeffekte erhofft, da nur die Multiperspektivität verschiedener Disziplinen der Tragweite des Ereignisses letztlich gerecht zu werden ist.

Session 1

  • Freddy Litten: Katastrophen im japanischen Bilderbuch. 1945 und 2011
  • Franziska Ritt: Subkultur/sabukaruchā. Pop zwischen Underground und Massenkultur

Session 2

  • Jana Katzenberg: Modemedien in Japan. Diversifizierung und Digitalisierung ab den 90er Jahren
  • Juliane Stein: Tiergeister & Monster (bakemono) in der japanischen Populärkultur
  • Maria Grajdian: Bilder der Zerbrechlichkeit. Über die Bedeutung von Schönheit, Verlust und Erinnerung im Anime-Film. Die Legende von Prinzessin Kaguya

Session 3: Sexualität, Normativität, Subversion

Boys’ Love, yuri, Lolita, nijisōsaku und dōjinshi — all diese und viele andere Elemente von Japans Populär- und Konsumkultur werfen unweigerlich Fragen nach Sexualität, Geschlecht, Heteronormativität und einem subversivem Potential gegenüber der bestehenden sozialen Ordnung auf. Wie verhält sich der Konsum oder die Produktion männlich-homoerotischer Geschichten zur Sexualität ihrer weiblichen Leserschaft? Was sagt Liebe zwischen Mädchen in Manga über den Alltag lesbischer Frauen in Japan aus? Spiegeln kindliche Protagonisten eine pädophile Sexualstörung wider? Die aktuelle Forschungslandschaft dreht sich speziell bei Boys’ Love (BL), yuri (Werke über Intimität zwischen weiblichen Figuren), nijisôsaku und speziell dōjinshi (Amateurwerken) nur um diese Fragen,
als gäbe es unweigerlich keine anderen Analyseansätze für diese narrativen und visuellen Medienformen. Diese Session verfolgt nicht die Absicht, die beiläufigen Realitäten des Geschlechtsdiskurses zu hinterfragen, sondern will ein "geisteswissenschaftliches" Experiment wagen: Welche anderen Fragen lassen sich an "offensichtlich sexualisierte" Medien, ihre visuellen Elemente und ihre narrativen Inhalte stellen? Die obigen Fragen nehmen ihre Antwort meist bereits vorweg. Welcher Erkenntnisgewinn wird jedoch erreicht, wenn man offenere Fragen stellt? Wenn man sich beispielsweise rezeptionsästhetisch auf dōjinshi oder nijisōsaku einlässt? Wenn man das Dargestellte nicht als Chiffre für etwas anderes betrachtet? Wenn man der Frage nachgeht, warum überhaupt derivate Narrationen erdacht werden? Wie oberflächlich am Papier kann man sein, um im Umkehrschluss tiefgründig zu werden? Als Experiment kann dies scheitern. Vielleicht entsteht keine kohärente Geschichte mit Normen und Unterdrückten. Vielleicht zeigt dies aber genau, wie inkohärent und multipel die "Ordnungen" und Analyseflächen sind, die sonst als Fundamente angenommen werden.

Session 3: Sexualität, Normativität, Subversion

  • Björn-Ole Kamm: Zur Ästhetik des Schwarz-Weißen im Boys’ Love
  • Oliver Kühne: Nijisōsaku und die Lust an der "endlosen Narration"
  • Verena Maser: Was uns Nijisōsaku erzählen. Oder vielleicht auch nicht